Es gibt Weihnachtsdekoration, die jedes Jahr einem neuen Trend folgt. Und dann gibt es Dekoration, bei der man das Gefühl hat, sie könnte schon seit Jahrzehnten – vielleicht sogar seit Generationen – in einer Familie weitergegeben werden. Genau darum geht es beim Old World Christmas.
Der Stil wirkt warm, traditionsverbunden und ein wenig nostalgisch, ohne dabei zwangsläufig nach 1950er-, 60er- oder 70er-Jahren auszusehen. Stattdessen erinnert er an eine alte europäische Weihnachtswelt: an schwere Holzmöbel, Kerzenlicht, handbemalte Christbaumkugeln, Tannengrün, Messing, Samt und kleine Weihnachtsfiguren, die eine eigene Geschichte zu erzählen scheinen.
Und vielleicht liegt gerade darin sein Reiz: Old World Christmas möchte nicht perfekt aussehen. Es darf ein wenig so wirken, als hätte sich die Weihnachtsdekoration über viele Jahre entwickelt. Und das ist ja auch oft so! Allerdings sollte man nicht zu wild kombinieren, sondern auswählen, was passt. Die Weihnachtskisten als Fundus betrachten.
Passende Produkte auf Amazon ansehen?*
Was bedeutet „Old World Christmas“ eigentlich?
„Old World“ bedeutet wörtlich übersetzt „Alte Welt“ und bezieht sich in diesem Zusammenhang vor allem auf die traditionelle europäische Weihnachtskultur.
Dabei handelt es sich nicht um einen streng festgelegten Einrichtungsstil. Vielmehr verbindet Old World Christmas verschiedene Elemente, die an vergangene Zeiten erinnern.
Im Mittelpunkt stehen:
- natürliche und traditionelle Materialien
- warme, gedämpfte Farben
- Kerzen und warmes Licht
- handwerklich wirkende Dekoration
- klassische Weihnachtsmotive
- Holz, Metall, Glas und Keramik
- Tannengrün und natürliche Zweige
- Samt und andere textile Materialien
- nostalgische Weihnachtsfiguren
- bewusst ausgewählte Stücke mit „Geschichte“
Das Ergebnis darf ruhig ein wenig märchenhaft wirken – allerdings eher wie ein altes europäisches Weihnachtsmärchen als wie eine moderne Fantasywelt.
Woher kommt der Trend? Natürlich auch von Netflix-Serien, von der Sehnsucht nach alten Zeiten und deren üppigen oft schweren Einrichtungsstilen mit dunklen, massiven Möbeln. Die junge Generationen kennen diesen Stil gar nicht mehr und finden ihn oft ganz faszinierend. Auch wenn man sich so nicht unbedingt einrichten möchte, kann man so Weihnachten feiern.
Old World Christmas ist nicht dasselbe wie Vintage Christmas
Die beiden Stile werden leicht miteinander verwechselt. Schließlich spielen bei beiden nostalgische Elemente eine wichtige Rolle.
Der Unterschied liegt vor allem in der zeitlichen und gestalterischen Ausrichtung.
Vintage Christmas kann ganz bewusst eine bestimmte Epoche aufgreifen: beispielsweise Weihnachtsdekoration der 1950er-, 60er- oder 70er-Jahre. Alte Christbaumkugeln, Retro-Figuren, nostalgische Weihnachtskarten oder typische Farben dieser Jahrzehnte gehören dann zum Konzept.
Old World Christmas ist dagegen zeitloser. Hier geht es nicht darum, Weihnachten exakt wie in einem bestimmten Jahrzehnt aussehen zu lassen.
Ein alter Holzengel, eine handbemalte Glaskugel, ein Messingleuchter oder ein bestickter Samtbehang könnten theoretisch aus unterschiedlichen Epochen stammen. Entscheidend ist ihre Wirkung: Sie sollen traditionell, handwerklich und ein wenig zeitlos aussehen.
Die Farben von Old World Christmas
Wer einen Old-World-Look gestalten möchte, muss nicht auf die klassische Weihnachtsfarbpalette verzichten – im Gegenteil.
Rot und Grün spielen eine wichtige Rolle. Allerdings wirken sie in dieser Variante meist etwas gedeckter.
Besonders schön sind:
Tiefes Tannengrün
statt knalligem Weihnachtsgrün.
Bordeaux und dunkles Rot
statt leuchtendem Signalrot.
Creme und warmes Weiß
als ruhiger Gegenpol.
Gold und Messing
für einen warmen, leicht historischen Akzent.
Braun und Holzfarben
bringen die natürliche Komponente hinein.
Auch dunkles Blau oder ein warmes Ocker können funktionieren.
Wichtig ist weniger die exakte Farbauswahl als die Gesamtwirkung. Die Farben dürfen so aussehen, als hätten sie ein wenig Patina bekommen.
Materialien, die den Look ausmachen
Old World Christmas lebt stark von seinen Materialien.
Glänzendes Plastik und sehr moderne Oberflächen passen weniger gut zum Stil. Dafür dürfen Materialien sichtbar altern und Gebrauchsspuren zeigen.
Holz
Holz ist eines der wichtigsten Elemente.
Holzsterne, kleine Krippenfiguren, geschnitzte Engel, Nussknacker, Tannenbäume oder einfache Holzanhänger passen hervorragend.
Besonders schön wirkt unbehandeltes oder dunkel gebeiztes Holz.
Glas
Glasornamente gehören zu den Klassikern.
Dabei muss nicht jede Kugel makellos und hochglänzend sein. Handbemalte oder leicht unregelmäßig wirkende Glasornamente unterstreichen den traditionellen Charakter.
Messing und Metall
Kerzenständer, kleine Schalen, Glocken oder Ornamente aus Messing bringen Wärme in die Dekoration.
Auch etwas angelaufenes Metall kann interessant sein. Beim Old-World-Stil muss nicht alles aussehen, als wäre es gerade aus dem Geschäft gekommen.
Samt
Samt bringt eine besonders schöne historische Note hinein.
Dunkelrote oder tannengrüne Samtbänder am Weihnachtsbaum, Samtkissen auf einem Sessel oder eine Tischdekoration mit kleinen Samtschleifen wirken sofort festlich.
Keramik
Handgemachte oder zumindest handwerklich wirkende Keramik passt ebenfalls wunderbar.
Eine kleine Schale mit Nüssen, ein Kerzenhalter oder eine Weihnachtsfigur aus Keramik kann dabei viel stärker wirken als eine große Menge perfekter Deko.
Der Weihnachtsbaum darf aussehen, als hätte er eine Geschichte
Beim Old World Christmas muss der Weihnachtsbaum nicht aussehen wie aus einem Einrichtungskatalog. Im Gegenteil.
Ein besonders schöner Baum entsteht, wenn verschiedene Generationen von Weihnachtsschmuck miteinander kombiniert werden.
Eine alte Glaskugel neben einem Holzstern. Eine kleine Blechfigur neben einer Stoffschleife. Ein handgefertigter Anhänger neben einem klassischen Christbaumornament. Auch unterschiedliche Formen sind erlaubt.
Das Entscheidende ist, dass sich die Elemente trotzdem miteinander verbinden – beispielsweise durch eine gemeinsame Farbpalette aus Dunkelrot, Grün, Gold und Naturtönen.
Weniger Perfektion, mehr Persönlichkeit
Genau das macht diesen Stil so sympathisch. Ein Ornament darf ein wenig alt aussehen. Eine Schleife muss nicht millimetergenau sitzen. Eine Figur darf kleine Unregelmäßigkeiten haben.
Denn beim Old World Christmas geht es nicht um sterile Perfektion, sondern darum eine bestimmte Atmosphäre zu kreieren und die ist dunkler und magischer als viele moderne Stilrichtungen.
Kerzenlicht gehört unbedingt dazu
Kaum etwas verändert einen Raum so schnell wie warmes Kerzenlicht.
Deshalb passen Kerzenständer, Laternen und Windlichter besonders gut zu diesem Weihnachtsstil.
Auf einem alten Holztisch können beispielsweise mehrere unterschiedlich hohe Kerzen stehen. Dazu ein paar Tannenzweige, Zapfen und kleine Weihnachtsfiguren – schon entsteht eine ganz besondere Stimmung.
Wer echte Kerzen verwendet, sollte natürlich auf ausreichenden Abstand zu Zweigen, Schleifen und anderem brennbaren Material achten.
Tannengrün darf ruhig natürlicher aussehen
Auch beim Grün gilt: Es muss nicht alles perfekt und symmetrisch sein.
Tannenzweige, Kiefer, Eukalyptus, Zweige mit Beeren oder getrocknete Pflanzen können miteinander kombiniert werden.
Besonders schön wirkt eine Tischdekoration, bei der die Zweige nicht wie eine perfekt geformte Girlande aussehen, sondern eher locker über den Tisch verteilt sind.
Dazu passen:
- Zapfen
- getrocknete Orangenscheiben
- Äpfel
- Nüsse
- Zimtstangen
- kleine Holzsterne
- rote Beeren
- Bänder aus Leinen oder Samt
So entsteht eine natürliche Weihnachtsdekoration mit historischem Charakter.
Der Old-World-Look funktioniert nicht nur im Wohnzimmer
Wer diesen Stil mag, muss sich nicht auf den Weihnachtsbaum beschränken.
Auch andere Bereiche des Hauses können einbezogen werden.
Der Eingangsbereich
Ein alter Holzkorb mit Tannengrün, eine Laterne und ein großer Kranz an der Tür reichen bereits aus.
Die Küche
Gerade in der Küche kann Old World Christmas besonders charmant aussehen.
Holzbretter, Keramikschalen, Kupfer- oder Messingelemente, getrocknete Orangenscheiben, kleine Tannenbäume und rote Stoffbänder schaffen eine warme, traditionelle Atmosphäre.
Und vielleicht darf sogar ein Teller mit selbst gebackenen Plätzchen sichtbar herumstehen.
Der Esstisch
Passende Produkte auf Amazon ansehen?*
Hier kann der Stil seine ganze Stärke ausspielen.
Leinenservietten, Kerzen, Tannenzweige, dunkle rote Schleifen, alte Gläser und Messingkerzenständer ergeben eine festliche Tafel, ohne dass dafür jedes einzelne Teil weihnachtlich bedruckt sein muss.
Was man beim Old World Christmas besser vermeiden sollte
Damit der Stil nicht in eine beliebige Weihnachtsdeko-Sammlung abrutscht, lohnt sich ein wenig Zurückhaltung.
Weniger passend sind beispielsweise:
- sehr grelle Neonfarben
- ausschließlich glänzende Kunststoffdekoration
- extrem moderne geometrische Formen
- eine Vielzahl unterschiedlicher Farbkombinationen
- blinkende LED-Dekoration in bunten Farben
- zu viele völlig unterschiedliche Stilrichtungen gleichzeitig
Das bedeutet allerdings nicht, dass alles alt oder teuer sein muss. Auch neue Dekoration kann wunderbar funktionieren, wenn sie alt und handwerklich inspiriert aussieht.
Muss Old World Christmas teuer sein?
Ganz und gar nicht. Das Schöne an diesem Stil ist, dass er geradezu dazu einlädt, vorhandene Dinge weiterzuverwenden.
Vielleicht liegt noch eine alte Weihnachtskugel in einer Kiste auf dem Dachboden. Vielleicht gibt es einen Holzleuchter, den man sonst kaum noch benutzt. Oder eine alte Schale von der Großmutter.
Solche Dinge müssen nicht perfekt sein. Im Gegenteil: Gerade kleine Gebrauchsspuren können dazu beitragen, dass eine Dekoration glaubwürdig wirkt.
Auch Flohmärkte und Secondhandläden können interessante Fundstücke bieten. Und natürlich kann man vieles selbst machen: Papiersterne, getrocknete Orangenscheiben, kleine Holzanhänger, Stoffschleifen oder einfache Adventsgestecke.
Old World Christmas und Nachhaltigkeit
Der Stil passt ganz nebenbei auch zu einem Gedanken, der beim Weihnachtsdekorieren immer wichtiger wird: Nicht jedes Jahr muss alles neu gekauft werden.
Eine Dekoration, die aus wenigen neuen Stücken und vielen vorhandenen Dingen besteht, kann sogar besonders schön aussehen.
Alte Ornamente werden weiterverwendet, Selbstgemachtes kommt dazu und einzelne neue Stücke ergänzen die Sammlung.
So entsteht mit der Zeit genau das, was den Old-World-Stil ausmacht:
eine Weihnachtsdekoration, die aussieht, als hätte sie eine Geschichte.
Old World Christmas muss nicht altmodisch sein
Das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt. Old World Christmas bedeutet nicht, dass man sein Zuhause in ein Weihnachtsmuseum verwandeln muss. Man kann den Stil durchaus modern interpretieren.
Ein schlichtes, modernes Zuhause kann beispielsweise mit einem großen Kranz aus Tannengrün, wenigen hochwertigen Glasornamenten, Messingkerzenständern und dunklen roten Samtbändern weihnachtlich gestaltet werden.
Auch eine moderne Küche kann durch Holz, Keramik, Tannengrün und warmes Licht eine Old-World-Atmosphäre bekommen.
Es kommt weniger darauf an, wie alt ein Gegenstand tatsächlich ist, sondern darauf, welche Geschichte und Stimmung er vermittelt.
Eine kleine Old-World-Weihnachtswelt schaffen
Vielleicht ist genau das der schönste Gedanke hinter diesem Trend: Weihnachten muss nicht jedes Jahr komplett neu erfunden werden!
Man kann eine kleine Sammlung von Dingen aufbauen, die immer wieder zum Einsatz kommen. Ein besonderer Kerzenständer. Eine alte Christbaumspitze. Ein Holzengel. Ein paar handbemalte Kugeln. Ein rotes Samtband.
Mit jedem Weihnachtsfest kommt vielleicht ein neues Stück hinzu. Und irgendwann sieht der Weihnachtsbaum nicht mehr einfach dekoriert aus.
Er sieht aus, als würde er die vergangenen Weihnachten mit sich tragen.
Old World Christmas ist Weihnachten mit Seele
Old World Christmas ist kein Dekorationsstil, bei dem es darum geht, möglichst viele historische Gegenstände zu besitzen.
Es geht um etwas anderes: um Wärme, Tradition, Handwerk und die Schönheit von Dingen, die nicht vollkommen aussehen müssen.
Wer genug von jährlich wechselnden, kurzlebigen Deko-Trends hat, findet hier eine wunderbare Alternative.
Denn vielleicht ist die schönste Weihnachtsdekoration nicht die, die gerade besonders modern ist.
Sondern die, bei der man sich fragt:
„Woher kommt dieses kleine Ornament eigentlich – und welche Weihnachtsgeschichten könnte es schon erlebt haben?“
*Affiliatelinks: Wir verdienen bei Bestellung eine kleine Provision, keine Zusatzkosten für euch.

